Einleitung

Alle Neuigkeiten, Informationen, Non-Sense und Reiseberichte aus der Ukraine, damit auch der "ferne" Westen auf dem Laufenden ist, was dem Kai in der Ukraine so alles passiert. Ich freue mich natürlich über Wortmeldungen, Lebenszeichen, Infomeldungen oder Anmerkungen von euch - per Email/ Skype/ Kommentarfunktion etc.

Freitag, 17. Dezember 2010

Hau den Lukas

Oder: Gewalt ist keine Lösung


Da haben sich die "Herren Politiker" (um Helge Schneider zu zitieren) im ehrenwerten ukrainischen Parlament mal wieder ordentlich die Fressen poliert. Es gab sogar einen gebrochenen Kiefer - eine vielleicht noch recht milde Verletzung, wenn man bedenkt, dass hier mit Stühlen auf Köpfe geschlagen wurde (siehe Video).
Und warum das Ganze? Das kann man hier nachlesen:
http://www.ukraine-nachrichten.de/2968/w%C3%BCste-schl%C3%A4gerei-parlament

Ist doch schön, wenn man noch mit soviel Motivation in der Politik dabei ist ;-)

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Auf ein Bier mit Свен Вайднер (II)

KsL: Hallo Sven, weiter geht’s. Beschreibe doch mal deine ersten Eindrücke von der Schule, die du ja immerhin eine ganze Woche lang mitbesucht hast.

S: Also erstmal muss ich ja sagen, dass es echt cool war, dass ich die komplette Woche mit in die Schule kommen durfte. Abgesehen davon, dass mich Saporoschje auch nicht fünf Tage lang hätte unterhalten oder begeistern können. Die Schule war ein wenig so, wie man sich eine Schule in der Ukraine eben vorstellt. Groß, grau, alt, und doch irgendwie robust.

KsL: Vielleicht nennst du mal die größten Unterschiede die dir so aufgefallen sind.

S: Ja, zuerst einmal find ich es sehr interessant, dass Kai höchstens zehn Schüler zu unterrichten hat, da die Deutschgruppen in kleine Kurse eingeteilt werden.
Zweitens – und das könnte man ruhig nach Deutschland übernehmen – haben die Lehrer ihr eigenes Klassenzimmer und nicht die Klasse. Das hält die Kinder in Bewegung und lässt den Lehrer sich heimisch fühlen.
Drittens – es gibt eine Quarantäne (= schulfrei), wenn der Amtsarzt sie verhängt, weil beispielsweise eine Grippewelle droht.

KsL: Die Geschichten der Lehrerin, die gar nicht glauben konnte, dass es in Deutschland keine Quarantäne gibt, waren aber nicht die einzigen, sagen wir mal „sonderbaren“ Erfahrungen...

S: Ne, stimmt. Sehr lustig war die fünfte Klasse. Nach einer Unterrichtstunde kamen immer mehr Schüler, die etwas von Kai und mir wollten. Zuerst dachten wir, dass Kai nun doch in den „Tagebüchern“ der Schüler –  ähnelt einem deutschen Hausaufgabenheft, nur dass jeder Lehrer nach jeder Stunde Noten verbucht – unterschreiben soll. Letztendlich wurde es aber nur eine große Autogrammstunde mit den Deutschen (lacht).
Ich war im Nachhinein doch ganz froh, dass wir während meines Aufenthalts nur nach Rammstein und Scooter und nicht nach Tokio Hotel gefragt wurden.

Autogrammstunde (kein Scherz!)

Und just eine Stunde später fragte die Nachbarlehrerin, ob denn „die Deutschen“ kurz Zeit hätten – die erste Klasse würde gerne mal richtige Deutsche sehen. So stand dann auch schon direkt im Flur eine komplette Klasse vor uns und starrte uns an. Außer „Guten Morgen“ und „Wir sind groß – wir sind klein – aber fein!“ konnten die dann auch nur noch große Augen machen. Sehr putzig, die Kleinen!
Wir haben sie dann natürlich für ihren gelungenen kleinen Vortrag mit dem typisch deutschen „toll“ bzw. „tooooollll“ gelobt, denn das haben sie zumindest schon gelernt.

KsL: Da hast du ja richtig was miterlebt.

S: Auf alle Fälle! Wobei sich viele sicherlich schon gefragt haben, ob es gut ist, dass nun das komplette Gymnasium 46, wenn es an das deutsche Volk denkt, zuerst Kai und als nächstes mich in Erinnerung hat.
Aber eins noch: Sehr interessant waren auch die selbst gemalten „Notausgang-Wegweiser-Männchen“ an den Wänden. Innerhalb einer Distanz von ca. 3 Metern zeigte eines nach links und das andere nach rechts. Wenn schon die Lehrer irritiert sind, was sollen dann im Ernstfall die Kinder machen? Achso... wahlweise hatten die „Notausgang-Wegweiser-Männchen“ übrigens ihre Männlichkeit offen zur Schau gestellt.

Dreibeinig läuft es sich am schnellsten nach draußen.

KsL: Erspare uns Einzelheiten.

S: Gerne. Vielleicht noch ein versöhnlicher Abschluss:
Die achte Klasse hat mittlerweile seit acht Jahren Deutschunterricht. Und ja – es ist eine schwere Sprache – es sind andere Buchstaben – es klingt komisch. Aber nein – man muss trotzdem nicht alle Verben falsch konjugieren, oder? Ich hätte nie gedacht, dass ich für die Hausaufgabenkontrolle von 8 Schülern so lange brauchen würde. Übrigens hat Kai mich dann auch noch schön reingeritten, indem er erst den Schülern sagt, ich hab alles korrigiert und dann alle Sätze, die angestrichen sind neu schreiben lässt... Schön den Hass auf den Besuch abschieben. Aber ist ja eigentlich richtig, vor allem wenn man Sätze wie:

"ich träume davon, dass in zwanzig jahren wissenschaftler vorrichtung, mit der wir in kosmos."

"natürlich, ich mag jeder menschen träumt davon, eine gute gesundheit und glück in der haus."

"aber das träumen für die zukunft."

liest.

Aber nun genug, weiteres beim nächsten Bier.

KsL: Poka!

Montag, 13. Dezember 2010

Auf ein Bier mit Свен Вайднер (I)

Oder: Der Sven war zu Besuch
Für Kyrillisch-Nichtkenner: "Saporischschja - Kiew"

Kain schöner Land (KsL): Hallo Sven, schön dass du dir kurz Zeit genommen hast für u-kai-ne.blogspot.com. Erstmal Prost!

Sven (S): Prost!

KsL: Bist du gut in Saporoschje angekommen?

S: Abgesehen von der eher hektischen Fahrt nach Dortmund, kann man den Flug bis Київ als „dem Flugpreis angemessen“ beurteilen. Die Einreise in die Ukraine verlief dann jedoch etwas schwieriger als geplant. Denn der Zollbeamte sprach nur Russisch und ich nur... (zögert) naja, eigentlich alles außer Russisch (lacht). Und da der Beamte nicht mal Worte wie „name“ auf Englisch sagen konnte, entstand eine sehr interessante und gestenreiche Unterhaltung. In knapp zehn Minuten schilderte ich dem Grenzbeamten, wohin und zu wem ich wollte. Für mich war eigentlich nur interessant, dass während der zehn Minuten, nichts aufgeschrieben, eingetippt oder notiert wurde. Letztendlich meinte er „okay“ und haute den Stempel in meinen Reisepass. Und dann ging es endlich raus aus dem Flughafen und rein ins Land bzw. zum Bahnhof, wo ich dann ja auch einen ersten Eindruck der geschilderten Marschrutka-Fahrten bekam. Auch wenn die erste Fahrt noch sehr angenehm verlief...

KsL: Ja richtig. Aber hier waren ja auch noch die Touristen mit dabei - Stichwort: UNESCO-Welterbe!

S (lacht): Ja, das war ein Erlebnis.

KsL: Vielleicht schilderst du die Situation kurz für unsere Leser?

S: Auf dem Weg zum Bahnhof bemerkte ein aufmerksamer Deutscher, dass wir uns in unserer Bundessprache unterhielten. Völlig unaufdringlich setzte er sich auch gleich bei der nächsten Gelegenheit neben uns und schwafelte los (muss schmunzeln). Nunja, lange Rede – kurzer Sinn: Der – im sehr dezenten rentner-beige gekleidete – Mann aus Aachen betrieb laut eigener Aussage „UNESCO-Welterbe-Akquise“ und ist hauptberuflicher Geschichtenerzähler. Er ließ es sich letztendlich auch nicht nehmen, Kais Russischkenntnisse für seine Zwecke zu beanspruchen und ließ ihn mit diversen Taxifahrern feilschen, um diese im Anschluss für ihre Preise auszulachen... was man sich bei den, doch bestimmt irgendwie mit den Klitschos verwandten, Taxifahrern auch erstmal trauen muss! Aber letztendlich wurden wir ihn ja doch noch los und konnten uns zu unserem Nachtzug begeben.

KsL: Der Nachtzug, der zwölf Stunden von Kiew nach Saporoschje braucht.

S: Richtig, wobei ich gleich anmerken muss, dass ich der „empirischen Studie“, die besagt, dass die Leute mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 % im Zug schnarchen, nicht zustimmen kann. Ich würde eher behaupten, dass es wahrscheinlicher ist, dass auf der Fahrt für 33 Minuten mal nicht geschnarcht wird. Ein einziges Schnarchkonzert, bzw. eine Unterhaltung! Auf ein kurzes „zzZZzz“ folgten drei lange „ZZZZ“, um von weiteren Staccato-artigen „zzz“ „zzz“ „zzz“ unterbrochen zu werden.

KsL: Und du warst ja auch noch so nett, der kleinen dicken Frau dein unteres Bett gegen das obere zu überlassen.

S: Hätte ich gewusst, dass die Oberen so größenfeindlich sind, hätt’ ich es mir wohl zweimal überlegt. Aber letztendlich bin ich froh, dass ich zumindest zwei Stunden dösen konnte und fit genug für die Schule war.

KsL: Ja, dazu dann beim nächsten Bier, denn, wie ich sehe, sind sowohl deins, als auch meins längst leer.

S: Ich freu mich drauf!


Samstag, 11. Dezember 2010

Saporoschje – Warschau und zurück (IV)


Oder: One Night in Kiev


Zurück in der Ukraine – nach der Landung mit dem Flugzeug wartete auch schon die altbekannte Marschrutka auf mich. Es ging allerdings nicht direkt nach Saporoschje, sondern auf mich wartete eine spannende Nacht in der ukrainischen Hauptstadt. Am nächsten Tag sollte der erste Besuch aus Deutschland kommen, und da man ohne Kyrillisch-Kenntnisse in Kiew nicht weit kommt, bot ich meinem Gast Sven einen Abholservice an.
Zunächst verbrachte ich aber noch eine Nacht auf der Datscha. Eine Bekannte wohnt nämlich mit ihrem Freund weit außerhalb von Kiew in einer solchen Unterkunft und nahm mich für eine Nacht auf. So durfte ich in den Genuss einer typisch ukrainischen Unterkunft kommen – „all inclusive“, versteht sich. Und „all inclusive“ bedeutete: Ein Bett am Ofen (da keine Heizung), Plumpsklo im Garten, Dusche unterm Kirschbaum.
Eine recht kühle Behausung wurde aber durch beste Gastfreundschaft wettgemacht. Und einmal zu sehen, wie es im „echten“ Kiew aussieht, ist auch eine Erfahrung wert. Während in offiziellen Statistiken nämlich von knapp 3 Millionen Einwohnern in Kiew die Rede ist, sind es vermutlich 2 Millionen mehr, die hier leben, aber noch in ihren Heimatdörfern irgendwo in der Ukraine gemeldet sind. Diese Menschen müssen irgendwo wohnen – und Wohnraum ist in der Ukraine sowieso teuer und knapp, aber in Kiew noch viel teurer als im Rest des Landes. Deshalb sprießen im Umland illegale Datscha-Siedlungen aus dem Boden und werden Häuser gebaut, die keinem Baurecht entsprechen und nachträglich „legalisiert“ werden. Ganze Hochhaussiedlungen entstehen so außerhalb der Gesetze und werden durch Vitamin B und Finanzspritzen in der richtigen Höhe und an der richtigen Stelle wieder „rechtmäßig“.
Die Marschrutka am Rande der Agglomeration führte mich also durch unbeschreiblich schlechte Straßen, vorbei an neuen Hochhäusern, an notdürftig zusammengezimmerten Buden, an großen Häusern im Fachwerkstil und an hermetisch abgeriegelten und gesicherten Wohnsiedlungen für Reiche. Die Ukraine ist eben auch ein Land der Kontraste: Da steht der rostige Lada neben dem verchromten Porsche Cayenne an der Ampel und die hochgesicherte Villa neben der armseligen Datscha in einer Straße, die noch nie Asphalt gesehen hat. Wer also einmal in Kiew ist, sollte sich nicht nur das Stadtzentrum mit seinen goldenen Kuppeln ansehen, sondern mit einer der drei Metro-Linien etwas nach draußen fahren und erleben, wie man mit einem durchschnittlichen ukrainischen Einkommen von unter 200 € in einer Großstadt mit europäischen Mietspreisen lebt.
Und nicht nur, um den Stadtrand zu sehen, sollte man Metro-Fahren fahren, auch der Metro wegen: Die Stationen liegen teilweise bis zu 100 Meter unter der Erde und man fährt gefühlte fünf Minuten mit der Rolltreppe hinab, bis man angekommen ist. Die Stationen selber widersprechen allen anderen ukrainischen Verkehrsmitteln – schmuck und gepflegt sind sie nämlich. In einem Punkt gleicht die Kiewer Metro aber dann doch den Marschrutkas im Land: Sie ist zum Bersten voll. Bis vor einigen Jahren gab es noch Personal, das an den Stationen die Leute in die U-Bahn-Züge geschoben hat. Diese Leute habe ich nicht kennengelernt, aber die Sardinenbüchse war raumtechnisch gesehen nicht weit weg.
Nach meiner Nacht auf der Datscha führte der erste Weg am nächsten Tag wieder zum Flughafen, um den angekündigten Besuch abzuholen. Vom Flughafen ging es dann mit Sven per Marschrutka zum Bahnhof und von dort mit dem Nachtzug nach Saporoschje. Am nächsten Morgen wartete dann schon die Schule auf uns – trotz allem schlafzerstörendem Schnarchen im Zug.
Die Dusche unterm Kirschbaum habe ich dann übrigens nicht in Anspruch genommen. Auch wenn aus der Gießkanne warmes Wasser kam, wollte ich bei Schneematsch nicht draußen stehen und mir meine Gliedmaßen abfrieren. Außerdem wird die Kirschbaum-Dusche nur in der Dunkelheit benutzt, denn es gibt natürlich (warum auch?) keinen Duschvorhang und somit einen Panoramablick auf alle Nachbardatschas – und umgekehrt.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Saporoschje – Warschau und zurück (III)

Oder: Milchbar und Cotlet Club

Ein Hinterhof in der Warschauer Altstadt.
Und noch einmal die Warschauer Altstadt.
Das Weichselufer am Abend.

„Von Osten kommend ragt diese Stadt einem schimmernden Vorposten der Zivilisation gleich aus der eurasischen Landmasse auf. Es ist besser von jenseits zu kommen, wenn man mich fragt. (...) Aber nichts gegen Warschau.“ Das schrieb mein Münsteraner WG-Mitbewohner und Osteuropa-Kenner Moses auf meine Bitte, ein paar Tipps zu Warschau zu nennen.
Und wie Recht er hat: Die ersten zwei Stunden in Warschau: Umwerfend. Nach drei Monaten Ukraine ist man nahezu überwältigt, wenn es keine Löcher in den Straßen gibt, an den Bus- und Tramhaltestellen Fahrpläne hängen und Schilder sind, die zeigen, welche Linien halten. Straßenschilder sind auch etwas, dass man fast vergessen hat und Personen, mit denen man auch auf Englisch kommunizieren kann, gibt es in Warschau vermutlich mehr als in der gesamten Ukraine. Aber auch für Besucher, die nicht aus dem Osten, sondern aus dem Westen anreisen, ist Warschau eine Reise wert.

Warschau vom Kulturpalast aus gesehen.
Mit den fünf TeilnehmerInnen des Regionaltreffens aus Estland, Lettland, Polen und Tschechien – die allesamt wie ich Deutsch in ihren Einsatzländern unterrichten – machten wir uns auf, Warschau zu erkunden. Die zerstörte Altstadt haben die Warschauer nach dem Zweiten Weltkrieg komplett wiederaufgebaut. Die kleinen Straßen und verwinkelten Gassen wirken nicht, als ob sie tatsächlich erst nach 1945 entstanden sind – aber das denkt man beim Münsteraner Prinzipalmarkt ja auch nicht. Eine Fahrt auf die Spitze des Kulturpalastes, der wie eine kleine Kopie des Empire-State-Buildings aussieht, lässt einen tollen Blick auf Warschau zu (aber auch nur, wenn es nicht diesig ist). Von dort kann man auch das EM-Stadion sehen, an dem noch fleißig gewerkelt wird. Ebenfalls kann man bis zu einem Stadtteil auf dem anderen Weichsel-Ufer blicken, der den Namen „Praga“ trägt. Man muss also nicht bis nach Tschechien reisen, um dort gewesen zu sein. Und auch kulinarisch kommt man in Warschau nicht zu kurz – polnisches Bier ist gut, lokale Speisen bekommt man in den „Milchbars“, tollen Kakao gibt es auch und der „Cotlet Club“ ist allein schon wegen seines Namens einen Besuch wert.

Das EM-Stadion.
Und dann gab es für mich auch den ersten Schnee in diesem Jahr. Während es in der Ukraine untypisch warm ist und Saporoschje sich standhaft gegen jede Form von Kälte wehrt (den Ausreißer Anfang Oktober ausgenommen), fielen die weißen Flocken ordentlich vom Warschauer Himmel. Mütze, Schal und Handschuhe mussten also auch das erste Mal in diesem Winter ausgepackt werden.


Schneetreiben auf der Straße mit dem schönen Namen "Neue Welt".

Auf Polnisch heißt der Weihnachtsmarkt "Jarmark". In Warschau gabs dann auch den ersten Glühewein der Saison.
Sympathische Stadt - hier läuft das Bier sogar durch die Gegend.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Saporoschje – Warschau und zurück (II)

Oder: Mit dem Zigaretten-Express nach Warschau


Nachdem der Ticketkauf einige Tage zuvor erfolgreich verlaufen war, ging es also zunächst über Nacht mit dem Zug nach Kiew. Der durchschnittliche Ukrainer schnarcht übrigens mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 % - würde ich nach meinen zahlreichen Bahnfahrten nun empirisch belegen wollen. Mit ein paar Stunden Aufenthalt zum Sight-Seeing in der ukrainischen Hauptstadt ging es dann am Nachmittag weiter nach Warschau.

Das EM-Stadion in Kiew.

Nur einige von vielen goldenen Kuppeln in Kiew...

Eigentlich war auch alles gut – ich dachte, ich kann mich früh schlafen legen und die kurze Nacht der Bahnfahrt von Saporoschje nach Kiew wieder aufholen, um die drei Tage in Warschau ordentlich nutzen zu können. Dann fiel mir ein, dass an der polnisch-ukrainischen Grenze natürlich eine Passkontrolle wartet und die Waggon-Räder getauscht werden müssen – das alles zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht. Also: Vorschlafen.
Alle guten Pläne verwandelten sich aber in Schall und Rauch, denn ich saß im Zigaretten-Schmuggel-Express. Ab 23 Uhr wurden im Zug alle möglichen Anstrengungen unternommen, um alles zu verstecken, was am Zoll limitiert ist. Im Gang wurden die Heizungsabdeckungen hochgenommen, auf dem Klo geschraubt, die Mülltonnen gespickt und man konnte mitbekommen, wie im Nachbarabteil die Wandabdeckungen abgeschraubt wurden. Es herrschte also buntes Treiben im Zug Nr. 67, von der ukrainischen Bahn euphemistisch der „Kiew-Express“ genannt.
Als dann um 1 Uhr die Pässe eingesammelt wurden und der Zoll vorbeischaute (obligatorische Frage: Waffen? Atomares Material? Drogen?) wurde im Nachbarabteil begonnen, mit den Beamten zu feilschen. Geschmiert läuft nun eben alles besser – für 100 Griwen (circa 10 €) kann man sich viel Zollgebühren sparen und letztendlich „profitieren ja auch alle davon“ (ich hab leider vergessen, wen ich hier zitiere). Mein Abteilpartner konnte eine schöne Anekdote berichten: Wenn man mit dem Reisebus über die Grenze fährt, gibt jeder Reisende 50 Griwen, diese werden gesammelt an der Grenze dem ukrainischen Zoll übergeben und die anschließende Kontrolle fällt entsprechend kürzer aus.
Das emsige Versteckenspielen im Zug hörte leider nicht auf, schließlich wartete ja noch die polnische Kontrolle. Bis dahin mussten allerdings noch die Waggonräder gewechselt werden, also fuhr der Zug in eine Halle (die ich schon von der Hinfahrt aus Berlin kannte), wurde dort angehoben und schließlich die Räder gewechselt. Dazu gehörte auch, dass auf einmal ein Mann im meinem Abteil stand, den Teppich wegklappte und zwei Halb-Meter-Stahlstangen aus dem Boden zog. Das gehört zum Service mit dazu, wenn man direkt über dem Radachsen schläft.
Als dann um 3 Uhr die Pässe wieder von den ukrainischen Grenzbeamten zurückgegeben wurden, stieg auch noch eine junge Frau in mein Abteil. Diese begann ebenfalls eifrig Zigarettenpackungen an allen erdenklichen Stellen im Abteil zu verstecken, sodass auch die letzten Bemühungen, ein Auge zuzutun, scheiterten. Ein halbe Stunde später kam nämlich auch der polnische Beamte, um die Pässe zu kontrollieren. Auf polnischer Seite war allerdings niemand daran interessiert, den mit Zigaretten gespickten Zug zu untersuchen.
So verging auch diese Kontrolle, mittlerweile war es vier Uhr. Als sich der Zug dann in Bewegung setzte, ging dann das „Entstecken“ los. Wie Eichhörnchen im Winter ihre Nüsse suchen, waren viele Menschen damit beschäftigt, ihre Zigaretten wiederzufinden. Als ich dann am frühen Morgen noch einmal die Toilette besuchen musste, ließen sich zwei Männer  nicht dabei stören, die gesamte Wandverkleidung und Deckenbelüftungsschächte im Gang abzuschrauben, um hier eine Stange nach der anderen herauszuholen. Außerdem war das erste Mal überhaupt in einem Zug, in dem ich in der Ukraine gefahren bin, der Klodeckel unten – schließlich musste man auf ihm stehen, um an die Schrauben an der Decke zu kommen. Über den Daumen gepeilt sind allein aus meinem Waggon sicherlich 100 bis 150 Stangen Zigaretten in die EU „gewandert“. Sogar mein Abteilnachbar, ein in Würzburg studierender Ukrainer, der gerade ein Auslandssemester in Schweden macht und auf dem Rückweg vom Heimatbesuch war, weil er vorletzte Woche mit seinem Vater auf den Kilimandscharo gewandert war, war erstaunt über das, was da nachts gelaufen war. Er hatte es nämlich einer ukrainischen Freundin nicht abgenommen, die mit demselben Zug schon einmal gefahren war, und plant nun eine Entschuldigung bei ihr.
Mein Abteil-Eichhörnchen war aber nicht komplett erfolgreich, sodass ich nun als Andenken im Besitz einer original-geschmuggelten moldawischen Zigarettenpackung bin. Die schlaflose Nacht war es allerdings nicht wert.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Saporoschje – Warschau und zurück (I)


Oder: Ticketkauf auf Ukrainisch


Das Ziel: Warschau.
Der Weg: lang.
Die Reise: noch länger.
Der Ticketkauf: fast ein Ding der Unmöglichkeit.


Ein Treffen mit den Programm-Teilnehmern aus Polen, Tschechien, Lettland und Estland war der Grund für eine Reise nach Warschau – Erfahrungen austauschen, Warschau sehen und ein paar Tipps für die eigene Arbeit mitnehmen. Nun liegt Warschau leider nicht mal „um die Ecke“, mit einer langen Anreise hatte ich schon gerechnet. Da das Treffen recht spontan organisiert wurde, waren die Flüge schon zu teuer. Außerdem macht Bahnfahren ja Spaß. Also hieß es, Bahntickets nach Warschau zu kaufen.
Von Kiew fährt sogar täglich ein Zug in die polnische Hauptstadt, nach Kiew von Saporoschje sogar täglich mehrmals Züge. Kein Problem also, Tickets zu bekommen, dachte ich. Aber wie so oft: Falsch gedacht.
Mein erster Weg ging zum Bahnhof „Saporischschja 2“, denn dort geht es meistens schneller, weil weniger los ist. Dort die Auskunft: Tickets nach Warschau gibt es nur beim Bahnhof „Saporischschja 1“. Also zu „Saporischschja 1“: In die Schlange an der Kasse eingereiht, gewartet, Auskunft: „Tickets nach Warschau gibt es nicht an der Kasse, sondern im Service-Center.“ Also zum Service-Center. Das hatte natürlich die fast schon legendäre „technische Pause“ (es gibt an allen Formen von Kassen in der Ukraine die normalen Mittagspausen („Pause“) und dann zusätzlich noch viertelstündige Pausen über den gesamten Tag verteilt – die „technischen Pausen“). Als diese dann vorbei war, konnte ich dann die Auskunft erhalten, dass es Tickets nach Warschau gibt. Allerdings können die nur bis 17 Uhr verkauft werden (das war allerdings schon über eine Stunde her) und es gibt auch nur Tickets nach Warschau – aber nicht zurück. Die einzige Möglichkeit: Rücktickets erst in Polen kaufen. Ernüchternde Ergebnisse also nach einer Reise durch die halbe Stadt.
Zwei Tage später zog ich also noch einmal los, um VOR 17 Uhr ein Ticket NACH Warschau zu kaufen. Für den Rückweg entschied ich mich dann doch für einen Flug. Das Service-Center hatte sogar geöffnet und ich wurde direkt bedient. Meine Russisch-Kenntnisse reichten dann auch für die Vermittlung meines Wunsches aus. Für den deutschen Bahnfahrer, der einen Ticketkauf am Automaten oder im Internet gewohnt ist, bot sich nun allerdings ein sehr sonderbares Bild:


Nachdem ich gesagt hatte, dass ich das Bahnticket kaufen möchte, schloss die Verkäuferin das Service-Center für 10 Minuten. Zuerst musste für dieses Ticket erst einmal telefoniert werden. Der zweite Schritt bestand in der Herstellung des Tickets. Die werden normalerweise gedruckt, meines musste aber handschriftlich angefertigt werden. Dafür wurde eine uralte, vermutlich noch aus sowjetischen Zeiten stammende Vorlage genutzt (mit Durchschlag) und am Schluss noch eine Maschine eingesetzt, die in das Ticket eine Lochstanzung einfügte. Der Vorteil dieser alten Vorlage: Die Beschriftung war auf Ukrainisch, Russisch und Deutsch. Inklusiv war auch ein „Auszug aus dem Abkommen über den internationalen Personenverkehr (SMPS)“ in der Rückseite des Kartenumschlages. Nachdem ich dann auch noch die Bahntickets nach Kiew und von Kiew zurück gekauft hatte, war der Ticketkauf beendet. Viele Wege führen nach Rom, aber anscheinend nur doch nur einer nach Warschau.

Dienstag, 23. November 2010

Kärc-Her

Oder: Interkulturelle Kommunikation


Nicht nur 12 Stunden Unterricht in der Woche sind meine Aufgabe hier in Saporoschje - auch die Durchführung eines selbstgewählten Projektes. Ich habe mich für ein Fotoprojekt entschieden - und führe dies zurzeit mit einigen SchülerInnen der zehnten Klasse durch. In diesem Auftrag war ich mit einigen der Schüler in Saporoschje unterwegs, um zu fotografieren. Dabei lief mir folgendes Motiv über den Weg:


Ich musste herzlich lachen, als ich gegenüber des Lenin-Denkmals dieses Geschäft sah, ist der "Kärcher" doch die Inkarnation von deutscher Qualitätsarbeit, Männlichkeit, Kraft, Präzision und tausend anderer toller Eigenschaften. Meine Schüler konnten natürlich überhaupt nicht verstehen, warum ich schmunzeln musste. Aber allein die Tatsache, dass man 2.700 km gen Osten fährt, um in der Saporoschjer Innenstadt das Kärcher-Geschäft zu finden, ließ sie mein Lachen verstehen.
Ein paar Meter weiter, an der Häuserecke vorbei, mussten dann allerdings meine Schüler herzlich lachen. Warum? Ich dachte natürlich: "Ha, da fehlen ein paar Buchstaben."


Der Gag an der ganzen Sache war aber nicht dieser. Im Russischen gibt es kein "h". Deswegen wird der Hamburger hier bei McDonalds auch "Gamburger" genannt. Neben dem "g" gibt es aber auch die Möglichkeit, das "h" des lateinischen Alphabets als "ch" (wie in "krachen") auszusprechen. Und dann bekommen die drei Buchstaben "her" eine ganz neue Bedeutung. Ein Vulgärwort für das männliche Glied in der russischen Sprache lautet nämlich genau so. Meine Schüler freuten sich also nur indirekt über die fehlenden Buchstaben.
Und wenn wir schonmal beim Thema sind: Ein weiteres Vulgärwort mit derselben Bedeutung gibt es im Russischen auch noch, nämlich "hui". Das wird genauso ausgesprochen, wie wenn man im Deutschen eine schnelle Bewegung vertont. Folgende Geschichte stammt aus erster Hand: Der deutsche Vater, der auf einem Spielplatz in Russland mit seinem Kind spielte und beim Schaukeln genau dieses Wort bei jedem Anschubsen sagte, sorgte für großes Entsetzen und einem Beinahe-Polizeianruf bei den anderen Familien, die ebenfalls auf diesem Spielplatz saßen. Irgendwann kam seine (russische) Frau, bemerkte den Schlamassel und machte sich mit Mann und Kind schnell auf den Weg nach Hause.

Samstag, 20. November 2010

Ohne Strom


Oder: 2,30 € haben oder nicht haben


Donnerstag, 18. November 2010, 0:56 Uhr: Ich erreiche nach meiner zweitägigen Dienstreise nach Simferopol die heimischen Gefilde. Ich freue mich auf mein Bett und muss am nächsten Morgen früh raus, schließlich muss noch Unterricht vorbereitet werden. Ich betrete meine Wohnung, die erste Bewegung geht zum Lichtschalter, denn es ist zappenduster. Leider bleibt es auch zappenduster: Es gibt keine Strom.
Meine Hoffnung, dass das nur zeitweilig ist, wurde dadurch getrübt, dass im Treppenhaus das Licht funktionierte und eine Zahlungserinnerung an der Tür steckte. Höhe der ausstehenden Beträge: 23,06 UAH. Das entspricht 2,30 €. Diese Zahlungen erledigt allerdings meine Vermieterin, ich war mir deshalb keiner Schuld bewusst. Glück im Unglück: Aufgrund der Zeitverschiebung von nur einer Stunde und der ziemlich östlichen Lage in der Ukraine geht hier die Sonne schon um 6 Uhr auf, aber leider auch schon um 16 Uhr unter. Morgens konnte ich also (fast) alles wie gewohnt erledigen, aber als ich aus der Schule zurück war, musste das Kerzenlicht herhalten. Gelernt habe ich auch, dass ein Gasherd nicht nur insgesamt besser ist, sondern auch funktioniert, wenn kein Strom da ist.
Am nächsten Morgen in der Schule führte mein erster Gang also zu meiner Mentorin, die sich auch um die Mietsache kümmert. Ein Telefonat mit der Vermieterin brachte die Erkenntnis, dass sie alles bezahlt hat, sich aber darum kümmert. Geklärt werden konnte auch, warum ich eine Telefonrechnung bekomme, obwohl es in der Wohnung kein Telefon gibt. In der Zwischenzeit ein Gespräch mit einer Kollegin:

Sie: „Ich hab schon mit meinem Mann telefoniert, er hat gesagt, er könnte dir helfen, er muss aber heute zwei Schichten arbeiten.“
Ich, verwirrt: „Und was soll er machen? Den Strom von den Nachbarn anzapfen?“
Sie: „Ja, natürlich. Das hat er bei uns auch schon gemacht.“
Ich, noch verwirrter: „Wie?“
Sie: „Ja, wir hatten auch alle Rechnungen bezahlt, aber sie haben uns den Strom abgestellt. Das passiert ab und zu mal. Er ist ja nicht umsonst Elektro-Ingenieur.“

Der Strom war dann am Freitag wieder da, ihr Mann musste also nicht zum Einsatz kommen. Und wieder ein Kapitel „So ist die Ukraine“. Und die Erkenntnis, dass es gut war, auf den Tipp zu hören, eine Taschenlampe mitzunehmen.

Montag, 15. November 2010

Alexandria


Oder: Wir können Gastfreundschaft



Eine Reise nach Alexandria: Wer denkt dabei nicht an Ägypten, Meer, Antike und große Geschichte? Aber falsch gedacht: Alexandria ist nicht gleich Alexandria. Alexandria in Ägypten unterscheidet sich von Alexandria in der Ukraine – und natürlich erst einmal durch die Aussprache. Während das aus der römischen Geschichte bekannte Örtchen auf dem ersten „a“ betont wird, liegt diese Betonung im Ukrainischen auf dem „i“, also ganz am Ende des Wortes. Natürlich ist das nicht der einzige Unterschied – aber dazu später mehr.
Warum eigentlich nach Alexandria? Auch in Alexandria gibt es eine Schule mit deutschem Schwerpunkt. Die Schüler der 11. Klasse dort bereiten sich gerade auf eine wichtige Deutsch-Prüfung vor, mit der sie ihr Sprachniveau zertifizieren können und das ihnen die Möglichkeit gibt, an deutschen Universitäten zu studieren. An der Schule unterrichtet aber kein deutscher Muttersprachler und so wurde ich gebeten, einige Tage mit diesen Schülern intensiv mündliche Kommunikation zu üben. Um ein bisschen die Ukraine zu bereisen und auch andere Schulen kennenzulernen, kam ich dieser Bitte gerne nach.

In Alexandria wachsen die Straßenlaternen aus den Häusern. Keine optische Täuschung!

Sonntagabends reiste ich also – mal wieder – mit der Bahn aus Saporoschje in den Norden. An das Bahnfahren hat man sich mittlerweile gewöhnt, aber einige Dinge sind dann doch immer wieder überraschend und erlebnisreich. Auf der Hinfahrt wurde ich nämlich gleich von drei schnarchenden Frauen beschallt, im Hintergrund lief das vergessene Handy des Schaffners. Außerdem wundere ich mich immer wieder, wieviel Gepäck man mit sich führen kann. An einigen Stationen steigen Personen ein, die von der ganzen Familie in den Zug begleitet werden, zweimal rein und raus laufen und jedes Mal eine neue Tasche dabei haben. Tatsächlich habe ich schon erlebt, das eine einzelne Frau mit über fünfzehn großen Taschen im Zug saß. Dimensionen sprengt auch der Reiseproviant: Auf der Rückfahrt saß ein Rentner-Ehepaar in meinem Abteil. Sie hatten eine ganze Reisetasche mit Verpflegung dabei, unter anderem auch zwei ganze Töpfe mit allen möglichen ukrainischen Speisen.
In Alexandria wurde ich dann von meiner Gastfamilie am Bahnhof abgeholt. Die Gastfamilie entsprach übrigens dem ukrainischen Klischee: Zur Familie gehören Mutter und Tochter, es gibt keinen Mann im Haus. Ebenfalls typisch ukrainisch: Die Tochter ist 21 Jahre alt und arbeitet schon als Lehrerin in der Schule. Und um den ukrainischen Prototyp vollends zu erfüllen, arbeitet natürlich auch ihre Mutter in der Schule. Um beim Prototyp zu bleiben: In der Ukraine steht Gastfreundschaft auf der Prioritätenliste ganz oben. Sehr wichtig ist, dass der Gast satt ist. So hatte ich die Ehre, fünf Mahlzeiten am Tag einzunehmen. Und in den Pausen zwischen den Mahlzeiten gab es eigentlich immer Tee und Kekse. Meine Gastmutter hatte ein wundervolles Repertoire ukrainischen Speisen zu bieten, von Cirniki (gebratener Quark) über Borsch bis hin zu Pelmeni (gefüllte Teigtaschen). Und ebenfalls typisch ukrainisch: Zum Frühstück kann man durchaus Kohl-Rouladen essen. Gewöhnungsbedürftig. Lecker war es aber – ich habe den bisher besten Borsch in der Ukraine gegessen, musste aber höflich den obligatorischen Speck ablehnen (ja, da war er wieder).

Die Lehrerkantine.
Nicht nur bei der Gastfamilie, sondern auch in der Schule gab es Essen. Dabei kann die Schule in Alexandria, das „Alexandrier Kollegium“, eine wirkliche Besonderheiten aufbieten: Es gibt eine eigene Kantine nur für die Lehrer. Angeschlossen an die normale Schulkantine gibt es einen Raum, in dem gedeckte Tisch bereitstehen und man anhand der Menükarte sein Essen bestellen kann. Für die Schüler ist das eine absolute Tabu-Zone; dieser Raum hat antiquarischen Charme, ich hätte anhand des Mobiliars und der Tapete auf die 70er Jahre getippt, lag damit aber falsch, denn die Schule wurde erst Anfang der 1990er Jahre gebaut.
Die Schule hat insgesamt circa 1.400 Schüler, was für die 90.000 Einwohner zählende Stadt sehr groß ist. Überrascht hat mich, dass an der Schule strenge Disziplin herrscht. Der Direktor legt eben darauf sehr viel Wert – während an „meiner“ Schule in Saporoschje die Kleider-Disziplin eher lasch gehandhabt wird, kann man sich in Alexandria auf Ärger gefasst machen, wenn man als Junge nicht im Anzug und als Dame mit zu kurzem Rock oder zu heftiger Schminke in der Schule erscheint. Handys sind in der Schule gar nicht erlaubt – auch das für mich neu, denn in Saporoschje kann sogar passieren, das auch die Lehrer im Unterricht telefonieren. Auf der letzten Lehrerkonferenz klingelten innerhalb von fünf Minuten drei Handys. Und wenn die Lehrer es schon nicht schaffen, klappt es bei den Schülern natürlich auch nicht. In Alexandria wird man dagegen sogar ermahnt, wenn man im Schulflur die Hände in den Hosentaschen hat. Das war auch für mich eine neue Erfahrung.

Super zehnte Klasse!
In den drei Tagen arbeitete ich zwei Tage lang mit den Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse und am dritten Tag mit der 10., 9. und 8. Klasse. Neben der Schule stand auch eine Schaschlik-Party auf dem Programm – ein Pendant zum deutschen Grillen. Die Fleischstücke werden auf riesige Spieße gesteckt und dann über Feuer gegrillt. Außerdem wurde in einem großen Topf, auch über Feuer, „Kascha“ (Weizenbrei) zubereitet. Außerdem gab es einen kleinen Ausflug in das Umland von Alexandria. Wie die gesamte Ukraine ist das Land vor allem flach und es gibt Felder oder Steppe.
So monoton wie das Umland sah auch die Stadt aus. Natürlich heißt die Hauptstraße „Lenin Prospekt“, natürlich stehen an dieser Straße viele Plattenbauten, natürlich sind die Straßen breit und haben viele Löcher, natürlich liegt viel Müll in der Gegend rum. Typisch ukrainisch. Dazu, dass die Schule eine Partnerschule in Berlin hat, sagte der Direktor: „Wir können nicht viel bieten, außer unsere Gastfreundschaft.“ Er hat völlig recht – aber in Gastfreundschaft sind sie exzellent. 

 

Samstag, 13. November 2010

Wie der Weckmann in die Ukraine kam

Oder: St. Martin lässt grüßen


Die 8a beißt mit Hochgenuss zu - außerdem ist Essen viel besser als Lernen.


Der 11. November: Gleich zwei wichtige Daten für einen Rheinländer. Um 11.11 Uhr beginnt die neue Karneval-Saison und der heilige Martin hat seinen Namenstag. In der Ukraine feiert man eigentlich keines der beiden Feste – aber nur eigentlich.
Schließlich ist meine Aufgabe nicht nur die Vermittlung der deutschen Sprache, sondern auch der deutschen Kultur. Daher ließ ich mich nicht lumpen, meinen Schülern wenigstens eine der beiden Festivitäten näher zu bringen. Bis zum Höhepunkt des Karnevals, den ich noch in der Ukraine verbringen werde, ist es noch ein bisschen hin; deshalb war nicht der Hoppeditz, sondern Martin von Tours Thema in meinem Unterricht. Und was bespricht man dann? Martinsumzüge, Singen, Mantelteilung, Martinsfeuer und Laternen gehören zu St. Martin – und natürlich auch der Weckmann. Zumindest gehört der Weckmann im Rheinland zum Martinsfest. St. Martin ohne Weckmann ist wie Karneval ohne Kölsch oder Weihnachten ohne Tannenbaum.

Und auch der 5a schmeckts.

Und dank unserer Schulkantine konnte ich das diesjährige Martinsfest sogar mit einem Weckmann verbringen: Da das fleißige Team in der Kantine sowieso mit Hefeteig Pluschka, Bulotschka und Brot produziert, konnte ich mit ihnen absprechen, dem “deutschen” Vorbild nach auch Weckmänner zu produzieren. Das Wort Weckmann ist ihnen natürlich unbekannt – sie sprechen immer vom “tschjelawek”, das soviel wie “Mann” oder “Mensch”bedeutet. Lustigerweise lässt sich das wunderbar mit dem deutschen Namen verbinden – geboren ist der “Tschjela-Weck”.

Jarik findet den Weckmann auch super.

In der fünften und achten Klasse war die Begeisterung, einen echten Weckmann in der Hand zu halten, jedenfalls riesig. Und auch ich habe mich gefreut, in den Weckmann beißen zu können; er gehört zum Martinsfest wie das große Feuer am Rhein und das Singen an den Haustüren im Ort. Also ein wenig Entschädigung dafür, dass ich das alles in Deutschland verpasst habe.

Sonntag, 7. November 2010

Die Privat-Bank


 Oder: Kämmen in Deutschland

 
Bahntickets kaufen – eigentlich ein einfacher Vorgang, aber ohne tiefe Sprachkenntnisse nicht so einfach zu bewerkstelligen. Eine Kollegin war so nett, mich beim Kauf zu begleiten. Außerdem gibt es direkt neben der Schule die „Privat-Bank“ (das ist einfach aus dem kyrillischen transkribiert: Привать Баик), diese Bank ist eine Art Tante-Emma-Laden für Dienstleistungen. Nicht nur Bahntickets kann man kaufen, auch Flugtickets und natürlich kann man alles erledigen, was mit Geld zu tun hat. Nur wenige Ukrainer haben ein Konto, sondern holen sich ihren Lohn bei der Bank ab und zahlen Geld auch auf der Bank ein, wenn sie eine Rechnung begleichen wollen. Aus diesem Grund ist dort immer viel los.
Der Gang zur Bank gestaltete sich dieses Mal allerdings als kleines „Happening“: Schon einmal war ich dort gewesen, um die Bahntickets nach Odessa zu erwerben. Die Bank wird schon seit mehreren Wochen betreten, ohne die Tür zu öffnen. Die Scheibe fehlt nämlich und man geht einfach durch den Rahmen. Der Angestellte, der für die Bahntickets zuständig ist, fragte direkt beim ersten Mal dort, ob ich der deutsche Lehrer bin. Spricht sich halt schnell rum im Viertel, wenn einer Deutscher da ist... Dieses Mal wusste er auch sofort Bescheid, außerdem ist mein Vorname zwar kein typischer slawischer Name, aber alle Ukrainer kennen das Märchen „Kai und Gerda“ von Hans Christian Andersen. Ich bin nicht nur einmal gefragt worden, ob meine Schwester „Gerda“ heißt.
Der Pluspunkt beim Ticketkauf in der Bank: Man bekommt einen Beleg und kann das Ticket am Bahnhof am umgangssprachlich „VIP-Kasse“ genannten Schalter abholen und nicht lange warten. Dieses Mal funktionierte in der Bank aber angeblich das Internet nicht schnell, außerdem war es brechend voll, gefühlte tausend Leute wurden zwischendurch auch noch bedient. Somit saßen wir fast eine Stunde dort, um drei Tickets zu kaufen. Aber es wurde nicht langweilig, denn die Privat-Bank entpuppte sich als Schmelztiegel des Viertels – das übrigens den Namen „Pawlo-Kitschkass“ trägt:
Zunächst kam eine ehemalige Schülerin, die die Kollegin noch kannte. Sie holte sich ihr Stipendium bei der Bank ab. Aus unerfindlichen Gründen musste sie dafür eine Gebühr bezahlen – Kommentar des Bankangestellten dazu: „Bestimmt, weil sie Deutsch studiert.“ Natürlich wusste die ehemalige Schülerin auch, wer ich bin, obwohl ich sie nie gesehen habe. Zu guter Letzt reihte sich dann auch noch eine der Frauen, die an der Schule an der Eingangstür sitzen, in die illustre Runde auf der Privatbank ein. Die Eingangs-Tür-Damen erkennen mich mittlerweile auch. Nachdem ich in den ersten drei Wochen mehrfach fast wieder aus der Schule geschmissen worden wäre, bekomme ich meinen Raumschlüssel nun immer freundlich in die Hand gedrückt. Am selben Morgen hatten zwei der Damen noch versucht, mit mir zu kommunizieren. Ich hatte allerdings nichts verstanden, meine Kollegin wurde nun in der Bank aufgeklärt. Zuerst hatte ich morgens angenommen, dass es um meine Locken gegangen wäre, was ich aus den Gesten der beiden schloss. Von wegen: Meine Kollegin wurde nun gefragt, ob sich in Deutschland eigentlich alle Männer nicht kämmen würden.
Meines und das Haar der Deutschen beschäftigt also die Damen am Schuleingang. Ich hoffe, dass ich in Saporoschje nun kein falsches Deutschlandbild vermittele. Wer mich kennt, weiß, dass meine Haare durchaus wild „liegen“, aber ich möchte feststellen: Natürlich benutze ich einen Kamm. Und 99 % aller Deutschen vermutlich auch.

Dienstag, 2. November 2010

Eine kleine Reise durch Saporoschje

Lenin-Prospekt.

Hotel Intourist.

Festivalna-Platz - Regionalverwaltung.

Industrie-Panorama.

Bushaltestelle auf der "Straße der Sieges".

Typisches Wohnhaus.

Der Zirkus - ein Hauch von Niemeyer.

Das "Theater des jungen Zuschauers".

Die Krim

Oder: Blauer Himmel, blaues Meer



Jalta.



Herbstferien – ein Grund, um flügge zu werden. Nachdem ich mich nun schon einige Wochen im harten Alltagsleben befunden habe, waren die Schulferien ein triftiger Anlass, um die Ukraine zu erkunden und Saporoschje für einige Tage zu verlassen. Da sich sowohl eine Kollegin als auch ein Kollege auf der Krim angeboten hatten mich aufzunehmen, war das Ziel schnell auserkoren. Von Saporoschje ging es mit dem Zug in nur fünf Stunden – was für die Ukraine eine Zugverbindung nahe der Lichtgeschwindigkeit bedeutet – die knapp 500 km nach Simferopol gen Süden. Simferopol ist die Hauptstadt der Krim, knapp 350.000 wohnen hier im Zentrum der Halbinsel inmitten der Steppe. Die Landschaft rund um Simferopol hat wenig zu bieten, aber man gelangt schnell ins Gebirge und auch ans Meer. In Jalta beispielsweise werden diese begehrten Urlaubskomponenten sogar miteinander verbunden. Es gibt eine tolle Uferpromenade, blaues Meer vor hohen Bergen und das obligatorische Lenin-Denkmal (gerahmt von Palmen!) wird von McDonalds geleitet. Mein erstes Mal McDonalds in der Ukraine war dann auch fällig: Es schmeckt haargenau wie in Deutschland, der BigMäc-Index gibt aber einen deutlich besseren Preis an: 2,80 € für ein Maxi-Menü.

Unten links Onkel Lenin, oben rechts Tante M.

Nun war ich nicht auf die Krim gereist, um McDonalds zu essen – denn es gibt viel mehr hier. Die Krim ist schon lange ein Siedlungspunkt gewesen und viele Städte hier sind deutlich mehr als 2000 Jahre alt. Unter anderem gibt es hier kulturelle Spuren der Taurier, Römer, Byzantiner, Goten, Hunnen, Chasaren, Italiener, Deutschen, Skythen, Griechen, Russen und Tataren. Außerdem ist die Krim im zweiten Weltkrieg heißbegehrt gewesen, Hitler wollte sogar ein Autobahn von Berlin bis dieser Halbinsel bauen. Dementsprechend grausam waren die deutsch-sowjetischen Kämpfe um die wichtigen Städte hier – und heute ist die Krim für den russischen Flottenstützpunkt in Sewastopol bekannt, für den sich vor einigen Monaten noch im ukrainischen Parlament geprügelt worden ist. Die Krim ist also kulturell heterogen und bietet schon allein kulinarisch einige (mir bis dahin) unbekannte Dinge – ich war tatarisch, ukrainisch und sogar karaimisch essen. Die Krimtataren sind eine muslimische Bevölkerungsgruppe, die Karaimen eine jüdisch-türkische (sic!) Gemeinschaft. Und auch die Russen haben die Krim geprägt, die Zarenfamilie erbaute eine Sommerresidenz in Jalta, der Liwadia-Palast. Dort fand im Februar 1945 die Jalta-Konferenz statt. Hört sich spektakulär an, ist es aber nicht unbedingt. Zwar steht noch der runde Tisch, an dem Stalin, Churchill und Roosevelt Platz genommen haben, von damals im Palast, der Rest ist aber eher eine Touristen-Falle.

Blick von Liwadia.

Dafür ist das Meer traumhaft – egal, ob in Jalta, Sewastopol oder Jewpatoria. Das Schwarze Meer müsste eigentlich Blaues Meer heißen. Die komplette Woche hatte ich Sonnenschein pur bei blauem Himmel, blauem Wasser, Strand und sogar Palmen – allerdings bei nur 10°, der Herbst geht bald in den Winter über.

Sewastopol.

Moschee in Jewpatoria.

Granatäpfel auf dem Markt.

Honig auf dem Markt.

Freitag, 22. Oktober 2010

Wahlkampf

Oder: Eine große Geburtstagsparty



Blick auf die Lichtershow aus meiner Wohnung.

Saporoschje hatte letzten Samstag Geburtstag. Die Stadt feierte ihr 240jähriges Bestehen. Das mag für einen Mitteleuropäer recht mickrig klingen, ist in der Ukraine aber ein gewöhnliches Alter für eine Stadt. Für die ältesten Japanerinnen ist das wahrscheinlich ein Witz, aber die durchschnittliche Lebenserwartungen in der Ukraine beträgt für Männer 60 Jahre, für Frauen 10 Jahre mehr – da sind 240 Jahre natürlich eine andere Dimension und somit ein guter Grund, zu feiern. Die Feier fiel sogar deutlich größer als gewöhnlich aus, denn wir befinden uns hier gerade auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes. Am 31.10. darf die ukrainische Bevölkerung ihre Kreuzchen machen und bis dahin wird hier mächtig die Werbetrommel gerührt.

Der Wahlkampf hat durchaus positive Effekte: Die Heizungen laufen, obwohl sie gewöhnlich erst am 1. November eingeschaltet werden. Anfang Oktober war es hier eiskalt um die 0 Grad, mittlerweile gibt es herbstliche Temperaturen zwischen zehn und fünfzehn Grad. Wenn die Heizung einmal an ist, bekommt man sie übrigens nicht mehr aus. „Ganz oder gar nicht“, lautet die Devise. Es gibt keine Regler an den einzelnen Heizkörpern; die Temperatur in der Wohnung lässt sich somit nur über Fensteröffnen regulieren. Das zum Thema Umweltschutz – aber da Gas und Wasser sowieso meist pauschal gezahlt werden, interessiert das fast niemanden hier.

Zweiter positiver Effekt der anstehenden Wahlen: Es tut sich was am Straßenbelag. Auf dem Weg zur Schule fährt meine Marschrutka-Linie mitten durch das Industriegebiet auf der „Diagonalen Chaussee“. Diese Straße heißt wirklich so, bei „diagonal“ kann man getrost zustimmen, „Chaussee“ ist definitiv ein Euphemismus. Die Situation wurde auch durch die Flickschusterei der Bauarbeiter nicht besser – der kalte Winter sorgt natürlich für eine Menge Schlaglöcher. Diese werden oft nicht ausgebessert und wachsen über die Jahre dann zu Schlag-Kratern. Auf vielen Abschnitten der „Diagonalen Chaussee“ hat man sich dem einfachsten Mittel bedient: Dort, wo viele Schlaglöcher waren, hat man den Asphalt einfach abgefräst. Wenn sich dann aber im abgefrästen Teil Schlaglöcher bilden, muss man wieder flicken, schließlich kann man nicht unendlich abfräsen. Das tat man vor einigen Wochen dann, anscheinend mit für hiesige Verhältnisse großem Umfang, wenn ich den Aussagen meiner Kolleginnen glauben darf.

Dritter positiver Effekt: Die Geburtstagsparty fiel dieser Jahr nahezu monströs aus: Auf dem „Festivalna“-Platz, direkt bei mir um die Ecke, fand am Samstagabend ein Konzert mit den Stars und Sternchen der ukrainischen Popszene statt. Dazu gab es eine große Licht-Show und ein bombastisches, fünfzehnminütiges Feuerwerk. Bezahlt hat das natürlich nicht die Stadt, sondern die Partei des Ministerpräsidenten. Während in Deutschland kaum Bands und Sänger für eine Partei auftreten, gab sich hier das – mir völlig unbekannte – „who is who“ der nationalen Musikszene ein Stelldichein. Der Platz war völlig überfüllt. Obwohl in fünf Bezirken Live-Übertragungen stattfanden, waren sicherlich 50.000 Menschen dort. Dass ich direkt um die Ecke wohne, war diesmal sicherlich ein Vorteil, denn die Menge löste sich sofort nach Ende der Veranstaltung auf – und über das Nahverkehrssystem hier habe ich schon geschrieben. Wie bekommt man tausende Leute nur mit Mini-Bussen und ein paar Straßenbahnen ins Zentrum und wieder raus? Es scheint irgendwie geklappt zu haben, ich konnte jedenfalls zu Fuß nach Hause gehen.

Dass Wahlkampf ist, erlebe ich in der Schule ebenfalls jeden Tag: Die Schuldirektorin ist Abgeordnete im Stadtrat, meine Mentorin für dieselbe Partei völlig in den Wahlkampf verwickelt und sicherlich ein Dutzend anderer Lehrerinnen auch. In den Pausen gibt es regelmäßig Partei-Versammlungen, im September wurde Wahlwerbung an der Schule gedreht. Außerdem wird in der Schule ein Wahlbüro eingerichtet. Die Klassenräume im Erdgeschoss sind jetzt schon mit Landesfahnen geschmückt und umgebaut – hier ist wiederum ein anderer großer Teil des Kollegiums aktiv, denn das Stimmzählen und Beaufsichtigen der Wahlen ist ein kleiner Zusatzverdienst.

Und schließlich wirken sich die Wahlen auch direkt auf das Schulleben aus: Nicht nur in Nordrhein-Westfalen ist der 1. November ein Feiertag, auch am Gymnasium 46 wird es frei geben, weil am Tag nach der Wahl noch Stimmen gezählt werden und Material herumsteht. Passenderweise sind vorher Schulferien, sodass diese einen Tag länger dauern. Der Haken an der Sache: Dieser Montag wird am ersten Feriensamstag vorgearbeitet, morgen gehts also in die Schule, obwohl eigentlich frei wäre.