Einleitung

Alle Neuigkeiten, Informationen, Non-Sense und Reiseberichte aus der Ukraine, damit auch der "ferne" Westen auf dem Laufenden ist, was dem Kai in der Ukraine so alles passiert. Ich freue mich natürlich über Wortmeldungen, Lebenszeichen, Infomeldungen oder Anmerkungen von euch - per Email/ Skype/ Kommentarfunktion etc.

Samstag, 20. November 2010

Ohne Strom


Oder: 2,30 € haben oder nicht haben


Donnerstag, 18. November 2010, 0:56 Uhr: Ich erreiche nach meiner zweitägigen Dienstreise nach Simferopol die heimischen Gefilde. Ich freue mich auf mein Bett und muss am nächsten Morgen früh raus, schließlich muss noch Unterricht vorbereitet werden. Ich betrete meine Wohnung, die erste Bewegung geht zum Lichtschalter, denn es ist zappenduster. Leider bleibt es auch zappenduster: Es gibt keine Strom.
Meine Hoffnung, dass das nur zeitweilig ist, wurde dadurch getrübt, dass im Treppenhaus das Licht funktionierte und eine Zahlungserinnerung an der Tür steckte. Höhe der ausstehenden Beträge: 23,06 UAH. Das entspricht 2,30 €. Diese Zahlungen erledigt allerdings meine Vermieterin, ich war mir deshalb keiner Schuld bewusst. Glück im Unglück: Aufgrund der Zeitverschiebung von nur einer Stunde und der ziemlich östlichen Lage in der Ukraine geht hier die Sonne schon um 6 Uhr auf, aber leider auch schon um 16 Uhr unter. Morgens konnte ich also (fast) alles wie gewohnt erledigen, aber als ich aus der Schule zurück war, musste das Kerzenlicht herhalten. Gelernt habe ich auch, dass ein Gasherd nicht nur insgesamt besser ist, sondern auch funktioniert, wenn kein Strom da ist.
Am nächsten Morgen in der Schule führte mein erster Gang also zu meiner Mentorin, die sich auch um die Mietsache kümmert. Ein Telefonat mit der Vermieterin brachte die Erkenntnis, dass sie alles bezahlt hat, sich aber darum kümmert. Geklärt werden konnte auch, warum ich eine Telefonrechnung bekomme, obwohl es in der Wohnung kein Telefon gibt. In der Zwischenzeit ein Gespräch mit einer Kollegin:

Sie: „Ich hab schon mit meinem Mann telefoniert, er hat gesagt, er könnte dir helfen, er muss aber heute zwei Schichten arbeiten.“
Ich, verwirrt: „Und was soll er machen? Den Strom von den Nachbarn anzapfen?“
Sie: „Ja, natürlich. Das hat er bei uns auch schon gemacht.“
Ich, noch verwirrter: „Wie?“
Sie: „Ja, wir hatten auch alle Rechnungen bezahlt, aber sie haben uns den Strom abgestellt. Das passiert ab und zu mal. Er ist ja nicht umsonst Elektro-Ingenieur.“

Der Strom war dann am Freitag wieder da, ihr Mann musste also nicht zum Einsatz kommen. Und wieder ein Kapitel „So ist die Ukraine“. Und die Erkenntnis, dass es gut war, auf den Tipp zu hören, eine Taschenlampe mitzunehmen.

3 Kommentare:

  1. oh mann kai, was ne Geschichte! Und dazu die Leichensache...schon nen anderes pflaster da drüben, wie krass.
    achja: bald kommen fröhlich frittierte grüße aus Münster in Kartenform zu dir =)

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  2. Sven hat Humor22.11.2010, 20:49:00

    Oder auch nicht ;) muhaha

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  3. Jessica hat die Karte wiedergefunden25.11.2010, 11:31:00

    nun doch, und zwar schnellstens per luftpost!

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