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Alle Neuigkeiten, Informationen, Non-Sense und Reiseberichte aus der Ukraine, damit auch der "ferne" Westen auf dem Laufenden ist, was dem Kai in der Ukraine so alles passiert. Ich freue mich natürlich über Wortmeldungen, Lebenszeichen, Infomeldungen oder Anmerkungen von euch - per Email/ Skype/ Kommentarfunktion etc.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Saporoschje – Warschau und zurück (I)


Oder: Ticketkauf auf Ukrainisch


Das Ziel: Warschau.
Der Weg: lang.
Die Reise: noch länger.
Der Ticketkauf: fast ein Ding der Unmöglichkeit.


Ein Treffen mit den Programm-Teilnehmern aus Polen, Tschechien, Lettland und Estland war der Grund für eine Reise nach Warschau – Erfahrungen austauschen, Warschau sehen und ein paar Tipps für die eigene Arbeit mitnehmen. Nun liegt Warschau leider nicht mal „um die Ecke“, mit einer langen Anreise hatte ich schon gerechnet. Da das Treffen recht spontan organisiert wurde, waren die Flüge schon zu teuer. Außerdem macht Bahnfahren ja Spaß. Also hieß es, Bahntickets nach Warschau zu kaufen.
Von Kiew fährt sogar täglich ein Zug in die polnische Hauptstadt, nach Kiew von Saporoschje sogar täglich mehrmals Züge. Kein Problem also, Tickets zu bekommen, dachte ich. Aber wie so oft: Falsch gedacht.
Mein erster Weg ging zum Bahnhof „Saporischschja 2“, denn dort geht es meistens schneller, weil weniger los ist. Dort die Auskunft: Tickets nach Warschau gibt es nur beim Bahnhof „Saporischschja 1“. Also zu „Saporischschja 1“: In die Schlange an der Kasse eingereiht, gewartet, Auskunft: „Tickets nach Warschau gibt es nicht an der Kasse, sondern im Service-Center.“ Also zum Service-Center. Das hatte natürlich die fast schon legendäre „technische Pause“ (es gibt an allen Formen von Kassen in der Ukraine die normalen Mittagspausen („Pause“) und dann zusätzlich noch viertelstündige Pausen über den gesamten Tag verteilt – die „technischen Pausen“). Als diese dann vorbei war, konnte ich dann die Auskunft erhalten, dass es Tickets nach Warschau gibt. Allerdings können die nur bis 17 Uhr verkauft werden (das war allerdings schon über eine Stunde her) und es gibt auch nur Tickets nach Warschau – aber nicht zurück. Die einzige Möglichkeit: Rücktickets erst in Polen kaufen. Ernüchternde Ergebnisse also nach einer Reise durch die halbe Stadt.
Zwei Tage später zog ich also noch einmal los, um VOR 17 Uhr ein Ticket NACH Warschau zu kaufen. Für den Rückweg entschied ich mich dann doch für einen Flug. Das Service-Center hatte sogar geöffnet und ich wurde direkt bedient. Meine Russisch-Kenntnisse reichten dann auch für die Vermittlung meines Wunsches aus. Für den deutschen Bahnfahrer, der einen Ticketkauf am Automaten oder im Internet gewohnt ist, bot sich nun allerdings ein sehr sonderbares Bild:


Nachdem ich gesagt hatte, dass ich das Bahnticket kaufen möchte, schloss die Verkäuferin das Service-Center für 10 Minuten. Zuerst musste für dieses Ticket erst einmal telefoniert werden. Der zweite Schritt bestand in der Herstellung des Tickets. Die werden normalerweise gedruckt, meines musste aber handschriftlich angefertigt werden. Dafür wurde eine uralte, vermutlich noch aus sowjetischen Zeiten stammende Vorlage genutzt (mit Durchschlag) und am Schluss noch eine Maschine eingesetzt, die in das Ticket eine Lochstanzung einfügte. Der Vorteil dieser alten Vorlage: Die Beschriftung war auf Ukrainisch, Russisch und Deutsch. Inklusiv war auch ein „Auszug aus dem Abkommen über den internationalen Personenverkehr (SMPS)“ in der Rückseite des Kartenumschlages. Nachdem ich dann auch noch die Bahntickets nach Kiew und von Kiew zurück gekauft hatte, war der Ticketkauf beendet. Viele Wege führen nach Rom, aber anscheinend nur doch nur einer nach Warschau.

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