Heute ist Mittwoch, nun bin ich schon seit vier Tagen in Odessa am Schwarzen Meer. In Odessa besuche ich zwei Wochen lang einen Russisch-Kurs, der vormittags stattfindet. Nachmittags habe ich dann Zeit für die Hausaufgaben (sic!) und darüber hinaus natürlich auch, um die Stadt zu erkunden.
Odessa ist das „New York“ der Ukraine, so sehen es jedenfalls die Einwohner der Stadt, die Odessiten. Sie sind stolz auf die Modernität der Stadt, auf den kulturellen Schmelztiegel (132 Nationalitäten leben hier, ich habe allerdings nicht nachgezählt), auf das Meeresklima und auf die wichtigsten Einkaufsstraßen, in erster Linie auf die „Deribasovskaya“ – die so berühmt ist, dass ich sie nicht kannte, bevor ich nach Odessa gekommen bin.
In der Innenstadt von Odessa.Tatsächlich hat Odessa einen mediterranen Touch und der Strand ist super; die Innenstadt lässt sich ebenfalls sehen und multikulturell ist die Stadt auch – Restaurants aus aller Herren Länder kann man finden. Bezahlen kann man das Ganze auch, denn das Preisniveau ist deutlich unter dem deutschen. Einen aussagekräftigen Vergleich bietet der „Big-Mäc-Index“: 160 Griwnia kostet der hier, das sind 1,60 €. Probiert habe ich ihn allerdings noch nicht. Ähnlich verhält es sich übrigens mit allen anderen Preisen auch, eine Fahrt mit der Straßenbahn in die Innenstadt (20 min) kostet umgerechnet 10 Cent.
Der Hafen.Meine Heimat ist zurzeit eine Gastfamilie – ich wohne bei Larissa (sie arbeitet im Sprachinstitut, in dem ich den Russischkurs besuche), ihrer Mutter und ihrer Tochter. Erfahrung mit reinen Frauen-Haushalten bringe ich aus Deutschland ja genug mit, sodass wenigstens das nicht eine Umstellung mit sich bringt. Die Wohnung liegt etwas außerhalb, mit der Marschrutka (eine Art Taxi-Bus) dauert es sonntags 20 Minuten in die Stadt, in der „tschass pik“ (der Hauptverkehrszeit) aber dreimal solange. Die Ukrainer leben augenscheinlich nach dem Motto „außen pfui, innen hui“ – die Häuser sehen verfallen und ranzig aus, in den Treppenhäusern ist ebenfalls ewig nicht mehr renoviert oder geputzt worden. Man sollte sich nicht über Rotze auf der Treppe wundern, Müll liegt auf den Straßen und im Grünen ebenfalls überall rum und streunende Katzen und Hunde begegnen einem auch an jeder Ecke. Die Wohnungen selber sind aber tip-top – ebenso ist es in meiner Gast-„Heimat“ auch. Ich versuche mich hier mit meinen bescheidenen Russisch-Kenntnissen durchzuschlagen, es genügt und notfalls gibt es ja noch Hände und Füße. Für die Kommunikation im Restaurant und im „magasin“ (im Geschäft) reicht es auch schon.
In Odessa gibt es immer wieder interessante Einblicke in die Innenhöfe der alten Häuser - dort wird an Autos geschraubt, die Wäsche aufgehangen, es ist absolut gammelig oder fein rausgeputzt.
Der Strand am Schwarzen Meer.Am 1. September beginnt übrigens für alle Schüler in der Ukraine (und in den meisten ehemaligen sowjetischen Staaten) jedes Jahr wieder die Schule. Heute morgen habe ich die Eröffnungsfeier an der Schule mit Deutsch-Schwerpunkt in Odessa (das Gymnasium Nr. 90) besucht. Das gesamte Spektakel war eine Mischung zwischen feierlich-schön und improvisiert-peinlich. Auf dem Schulhof wurden alle 800 Schülerinnen und Schüler begrüßt, die Erstklässler wurden eingeschult, das Programm von den ältesten Schülern der 11. Klasse gestaltet. Bei uns unvorstellbar: Alle Kinder hatten den feinsten Zwirn an, die Mädchen in Kleidern und die Jungen in Anzügen. Der Direktor hielt eine Ansprache und es wurde die Nationalhymne gespielt (zu der von einigen Schülern große Fahnen im Stechschritt in die Runde getragen wurden). Dazu Konfetti-Kanone und aufsteigende Luftballons... Die Reden wurden an einem abgenutzten Schüler-Pult gehalten, Höhepunkt war aber der DJ, der für die musikalische Untermalung (vor allem Euro-Dance) zuständig war: Einen so unförmigen Körper habe ich schon lange nicht mehr gesehen, der Bauch war doppelt schwanger, dazu einen grau-haarigen Zopf und dauerhaft Kippe im Mund. Im Vergleich könnte DJ AA am Baggerloch auflegen... Der Schulanfang hat übrigens dafür gesorgt, dass Bus und Bahn noch voller sind, als sie es sowieso schon wären.
Das Wetter – es ist zwar warm, aber leider regnet es oft – hat große Stadterkundungen bisher noch nicht zugelassen, aber es soll besser werden und dann werde ich auch Bilder nachliefern.
Ganz viel Spaß noch !
AntwortenLöschenLg aus Kanada, Max
Ps.: Deine Fotos gefallen mir ;)
Hey Kai,
AntwortenLöschensuper Blog:) Halt uns auf dem Laufenden und weiterhin tolle Erlebnisse!
Caro
Супер блог!!! Это Макс из Николаева, мы с тобой в поезде ехали вместе. Помнишь?
AntwortenLöschenЯ тебе фотографии сбросил на e-mail. Макс
AntwortenLöschen