Einleitung

Alle Neuigkeiten, Informationen, Non-Sense und Reiseberichte aus der Ukraine, damit auch der "ferne" Westen auf dem Laufenden ist, was dem Kai in der Ukraine so alles passiert. Ich freue mich natürlich über Wortmeldungen, Lebenszeichen, Infomeldungen oder Anmerkungen von euch - per Email/ Skype/ Kommentarfunktion etc.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Auf ein Bier mit Свен Вайднер (II)

KsL: Hallo Sven, weiter geht’s. Beschreibe doch mal deine ersten Eindrücke von der Schule, die du ja immerhin eine ganze Woche lang mitbesucht hast.

S: Also erstmal muss ich ja sagen, dass es echt cool war, dass ich die komplette Woche mit in die Schule kommen durfte. Abgesehen davon, dass mich Saporoschje auch nicht fünf Tage lang hätte unterhalten oder begeistern können. Die Schule war ein wenig so, wie man sich eine Schule in der Ukraine eben vorstellt. Groß, grau, alt, und doch irgendwie robust.

KsL: Vielleicht nennst du mal die größten Unterschiede die dir so aufgefallen sind.

S: Ja, zuerst einmal find ich es sehr interessant, dass Kai höchstens zehn Schüler zu unterrichten hat, da die Deutschgruppen in kleine Kurse eingeteilt werden.
Zweitens – und das könnte man ruhig nach Deutschland übernehmen – haben die Lehrer ihr eigenes Klassenzimmer und nicht die Klasse. Das hält die Kinder in Bewegung und lässt den Lehrer sich heimisch fühlen.
Drittens – es gibt eine Quarantäne (= schulfrei), wenn der Amtsarzt sie verhängt, weil beispielsweise eine Grippewelle droht.

KsL: Die Geschichten der Lehrerin, die gar nicht glauben konnte, dass es in Deutschland keine Quarantäne gibt, waren aber nicht die einzigen, sagen wir mal „sonderbaren“ Erfahrungen...

S: Ne, stimmt. Sehr lustig war die fünfte Klasse. Nach einer Unterrichtstunde kamen immer mehr Schüler, die etwas von Kai und mir wollten. Zuerst dachten wir, dass Kai nun doch in den „Tagebüchern“ der Schüler –  ähnelt einem deutschen Hausaufgabenheft, nur dass jeder Lehrer nach jeder Stunde Noten verbucht – unterschreiben soll. Letztendlich wurde es aber nur eine große Autogrammstunde mit den Deutschen (lacht).
Ich war im Nachhinein doch ganz froh, dass wir während meines Aufenthalts nur nach Rammstein und Scooter und nicht nach Tokio Hotel gefragt wurden.

Autogrammstunde (kein Scherz!)

Und just eine Stunde später fragte die Nachbarlehrerin, ob denn „die Deutschen“ kurz Zeit hätten – die erste Klasse würde gerne mal richtige Deutsche sehen. So stand dann auch schon direkt im Flur eine komplette Klasse vor uns und starrte uns an. Außer „Guten Morgen“ und „Wir sind groß – wir sind klein – aber fein!“ konnten die dann auch nur noch große Augen machen. Sehr putzig, die Kleinen!
Wir haben sie dann natürlich für ihren gelungenen kleinen Vortrag mit dem typisch deutschen „toll“ bzw. „tooooollll“ gelobt, denn das haben sie zumindest schon gelernt.

KsL: Da hast du ja richtig was miterlebt.

S: Auf alle Fälle! Wobei sich viele sicherlich schon gefragt haben, ob es gut ist, dass nun das komplette Gymnasium 46, wenn es an das deutsche Volk denkt, zuerst Kai und als nächstes mich in Erinnerung hat.
Aber eins noch: Sehr interessant waren auch die selbst gemalten „Notausgang-Wegweiser-Männchen“ an den Wänden. Innerhalb einer Distanz von ca. 3 Metern zeigte eines nach links und das andere nach rechts. Wenn schon die Lehrer irritiert sind, was sollen dann im Ernstfall die Kinder machen? Achso... wahlweise hatten die „Notausgang-Wegweiser-Männchen“ übrigens ihre Männlichkeit offen zur Schau gestellt.

Dreibeinig läuft es sich am schnellsten nach draußen.

KsL: Erspare uns Einzelheiten.

S: Gerne. Vielleicht noch ein versöhnlicher Abschluss:
Die achte Klasse hat mittlerweile seit acht Jahren Deutschunterricht. Und ja – es ist eine schwere Sprache – es sind andere Buchstaben – es klingt komisch. Aber nein – man muss trotzdem nicht alle Verben falsch konjugieren, oder? Ich hätte nie gedacht, dass ich für die Hausaufgabenkontrolle von 8 Schülern so lange brauchen würde. Übrigens hat Kai mich dann auch noch schön reingeritten, indem er erst den Schülern sagt, ich hab alles korrigiert und dann alle Sätze, die angestrichen sind neu schreiben lässt... Schön den Hass auf den Besuch abschieben. Aber ist ja eigentlich richtig, vor allem wenn man Sätze wie:

"ich träume davon, dass in zwanzig jahren wissenschaftler vorrichtung, mit der wir in kosmos."

"natürlich, ich mag jeder menschen träumt davon, eine gute gesundheit und glück in der haus."

"aber das träumen für die zukunft."

liest.

Aber nun genug, weiteres beim nächsten Bier.

KsL: Poka!

1 Kommentar:

  1. ....und wieder super schön zu lesen.
    Dann warte ich mal auf Euer nächstes (hoffentlich kleine) Bier...
    lg

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