Einleitung

Alle Neuigkeiten, Informationen, Non-Sense und Reiseberichte aus der Ukraine, damit auch der "ferne" Westen auf dem Laufenden ist, was dem Kai in der Ukraine so alles passiert. Ich freue mich natürlich über Wortmeldungen, Lebenszeichen, Infomeldungen oder Anmerkungen von euch - per Email/ Skype/ Kommentarfunktion etc.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Wie Ravioli, nur ohne „extra viel Fleisch in der Soße“

Oder: Von (Super-)Märkten


In der Fleischhalle eines großen Marktes.
 Speck, Speck, Speck – meine größte Sorge, bevor es in die Ukraine losging. Angeblich soll Speck gut für die Leber sein, sagte man mir in der Ukraine. Angeblich soll man hier Speck dünn geschnitten, gebraten oder gekocht zu allen Speisen, Tageszeiten und Anlässen essen, sagte man mir Deutschland. Meine erste Erfahrung mit Speck habe ich ja schon gemacht, es war meine einzige und das bleibt hoffentlich so. Denn die ukrainische Küche hat deutlich mehr zu bieten, als dieses weiße, zähe und mehr als tote Stück Fleisch. (Ein Vergleich des Sprecks mit der Küche der DRK-Landesschule in Münster lässt sich ziehen, dort ist das Fleisch, wenn es auf dem Teller liegt, auch schon zweimal gestorben.)

Halbierte Kalbsköpfe.

Nationalgericht hier ist der Borsch, ein Eintopf aus Roter Beete, Kohl, Kartoffeln und anderen Zutaten. „Jede Köchin kocht ihren eigenen Borsch“, so heißt es hier – und somit schmeckt ein Borsch immer lecker, aber auch immer anders, ja nachdem, wo man ihn isst. Auf Platz zwei der typisch ukrainischen Speisen stehen die Wareniki. Das sind gefüllt Teigtaschen, vielleicht Ravioli ähnlich, nur dass man sie nicht in Dosen bekommt und das sie nicht mit Tomatensauce oder mit „extra viel Fleisch in der Soße“ serviert werden. Man füllt sie hier mit Fleisch, Käse, Quark, Kartoffeln oder Pilzen; alternativ gibt es sie auch mit Beeren gefüllt in süßer Variante. Wenn man sie nicht süß isst, gibt es eigentlich keine Sauce dazu, sondern nur einen Schlag saure Sahne, die hier „Smetana“ genannt wird. Wareniki gibt es auch in einer kleineren Variante, vielleicht mit Tortellini vergleichbar. Diese Teigtaschen heißen Pelmeni und werden eigentlich mit denselben Zutaten gefüllt.

Speck, Speck, Speck.

Nicht vergessen werden darf der Fisch, der hier auf der Speisekarte ganz oben steht. Ich bin allerdings nicht der große Fischesser und halte mich angesichts der Tatsache, dass der meiste Fisch aus dem Dnjepr kommt, der vor dem Industriezentrum Saporoschje schon das Industriezentrum Dnjepropetrowsk passiert hat, und somit das ein oder andere Schwermetall zusätzlich mit sich führt, fern. Die zweite Herkunft für Fisch ist nämlich der große Stausee in der Nähe der Stadt, an dem das größte Atomkraftwerk der Ukraine steht. Ukrainische Atomkraftwerke haben schon Geschichte geschrieben, deshalb ist hier auch Vorsicht geboten. In allen größeren Supermärkten hier gibt es übrigens Aquarien, in denen der Fisch noch schwimmt, bevor man ihn kaufen kann. Den Gegensatz dazu bieten dann Tankwagen auf den Märkten, in denen ebenfalls Fisch drin ist. Der wird auch verkauft, aber ich weiß nicht, ob der Fisch in diesen Wagen noch lebt, bevor er raus bekommt, und wann er überhaupt gefangen wurde. Das Wo wäre auch interessant – denn ich habe schon Angler gesehen, die es tatsächlich wagen, in dem Fluss zu angeln, der einmal durch das Industriegebiet geflossen ist und dann im Dnjepr mündet. Rostbraun ist seine Farbe, die Sichttiefe beträgt zwei Zentimeter.


Nun zu den Einkaufsmöglichkeiten: Zwei Alternativen bieten sich in der Ukraine. Entweder kauft man im Supermarkt ein – oder auf einem der vielen Märkte, die hier in jedem Bezirk zu finden sind. Die Supermärkte hier könnten, so wie sie sind, auch in Deutschland stehen. Scannerkasse, Rabattkarte, Tiefkühlabteilung, Konserven oder Käsetheke gibt es hier auch. Der Unterschied steckt allerdings im Detail: Milch wird in Tüten verkauft, in der Tiefkühltheke gibt es gefrorenes Gemüse oder Krabben zum Selberabfüllen mit Schäufelchen, an der Gemüsewaage steht noch Personal, das das Wiegen übernimmt, Fleisch gibt es in allen erdenklichen Körperteilen des Ausgangslebewesen separiert verpackt und am Ausgang wird von der Security regelmäßig der Inhalt der Tüte mit dem Kassenbon verglichen – meistens dann, wenn man den nicht mitgenommen hat.

Hühnerfüße.

Die zweite Möglichkeit, sich zu versorgen, sind die Märkte. Diese sind nicht vergleichbar mit „dem“ deutschen Wochenmarkt, der samstags auf dem Marktplatz stattfindet, denn es gibt keine Stände, die aufgebaut werden, sondern fest installiert Blechhütten, in denen alles verkauft wird, was so groß ist, dass man es noch zu Fuß abtransportieren kann. Natürlich ist das viel Obst, Gemüse, Fisch oder Fleisch, aber auch Kleidung, CDs, Gebäck, Scheren, Besteck, Dichtungen, Schrauben, Nägel, Spielzeug und, und, und. Das meiste Obst und Gemüse stammt von den Datschas aus der Umgebung und wird von Leuten verkauft, die sich ein paar Griwna dazuverdienen.

Und es gibt nicht nur Lebensmittel - sondern alles, was man irgendwie kaufen kann und was sich zu Fuß abtransportieren lässt, kann man hier auf dem Markt finden.

Für einen Laib Brot zahlt man übrigens knapp 30 Cent, das Kilo Tomaten bekommt man für 1,20 €; die Grundnahrungsmittel sind also sehr günstig, alles andere ist aber deutlich teurer: Käse kostet etwas mehr als bei uns und für importierte Exprodukte muss man deutlich mehr zahlen. Eine Flasche Warsteiner kostet 3 €, während das (sehr gute) einheimische Bier zwischen 30 und 50 Cent zu haben ist. Einzige Ausnahme: Beck’s kostet hier ebenfalls 50 Cent pro halbem Liter. Vermutlich, weil es zur „Inbev“-Gruppe gehört, die in der Ukraine sehr aktiv ist und es wahrscheinlich einfach hier braut. Das Bierangebot ist also groß, aber noch umfangreicher gefüllt ist natürlich das Wodka-Regal: Ab 2 € findet man das „Wässerchen“ hier in allen Flaschenformen, -größen und Namensvarianten. Ich konnte mich noch nicht den durch den Angebotsdschungel schlagen, da ich noch in der Bier-Probierphase bin. Einige gute Hopfengetränke habe ich schon gefunden, aber es warten noch, verköstigt zu werden.

2 Kommentare:

  1. Ich wusste es immer: Egal wo... Fisch ist niemals gut. Ausserdem habe ich jetzt Lust auf gefüllte Tiegtasche. Wie hießen sie noch? Das mit dem Sauerrahm klang wirklich lecker. Wer will da schon Fisch essen?

    Ich muss doch mal grade loswerden, dass ich diese Lektüren hier sehr genieße. Du hast ne einmalige Art zu schreiben und ich komme nur zu gerne her ;)

    Erfrier nicht! Immer fleißig weiterschreiben, bin ein großer Fan!

    LG

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  2. Stefan und Christina15.10.2010, 00:32:00

    Hallo Kai,

    viele liebe Grüße senden wir dir vom Bodensee. Ja, wir sind gerade auch ein paar hundert Kilometer von zuhause entfernt. Nicht so weit wie du, aber immerhin. ;-) Wir genießen unseren Urlaub hier und ärgern die Fische im Bodensee ein wenig. Wir wollten uns auch mal zu Wort melden, denn deine Texte sind wirklich super. Wir amüsieren uns regelmäßig :-)

    Mach weiter so und laß es dir gut gehen.

    Liebe Grüße
    Stefan und Christina

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