Oder: Winter in Saporoschje
Lange war ich auf der Suche nach einem verlässlichen Wetterbericht für Saporoschje. Daraus wurde leider nichts – denn entweder ändert sich das Wetter hier ziemlich schnell, meine Suchmaschinen-Kenntnisse sind zu schlecht oder es gibt einfach keine guten Wetterberichte für Saporoschje.
Nachdem für das zweite Januarwochenende schon –15° (Celsius natürlich, ich spreche weder von Fahrenheit noch von Kelvin) angekündigt waren und sich das Ergebnis eher im Plusbereich abspielte, hielt ich die angekündigten –20° für letzten Donnerstag für eher unrealistisch. Aber schon am Mittwochabend wurde es recht „frisch“ und am Donnerstagmorgen war es dann sogar noch kälter als angekündigt: -22°. Die alte Bundeswehr-Strategie „täuschen, tarnen, verpissen“ zog leider nicht, schließlich rief die Arbeit in der Schule und so musste ich hinaus in die Kälte. Aber Glück im Unglück: Die Luft war sehr trocken und der hier im Winter typische Steppenwind fehlte. Ohne lange Unterhose, „Schapka“ (russisch für Mütze), ordentlichen Schal und Handschuhe hätte ich diese Außenbedingungen allerdings nicht schadlos überstanden. Insgesamt war die Kälte aber doch nicht so schlimm wie erwartet und die „gefühlte Temperatur“ lag bei mir dann doch höher als die reale Temperatur.
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| Räumgerät, ukrainisch. |
Zusätzlich zum Frost liegt hier schon fast zwei Wochen ordentlich Schnee. Während die Höhe in Deutschland schon ein halbes Chaos produziert hätte, interessiert hier niemanden, ob jetzt 10 cm mehr oder weniger liegen. Geräumt wird auf den Bürgersteigen fast gar nicht, die Hauptstraßen aber schon, wenn auch mit archaischem Gerät. Der erste Schnee macht hier sofort alles schöner, spätestens nach fünf Tagen erkennt man im Schnee aber die Rückstände sowohl tierischen als auch menschlichen Urins an deutlichen Gelbfärbungen, in der Nähe von Straßen wird das Weiß zum Braun-Grau und spätestens, wenn dann doch jemand auf die Idee kommt, zu Streuen, wird es grau, denn gestreut wird hier mit zerbröseltem Schutt.
Wenn dann allerdings vom Raureif alle Bäume in weiß erstrahlen, ist auch das gefrorene Schneematsch-Gemisch am Boden vergessen – und die Tatsache, dass mit jedem Frosttag das Marschrutka-Fahren holpriger wird.





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