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Mittwoch, 12. Januar 2011

Krim, die zweite & Krim, die dritte


Oder: Oh wie schön ist Simferopol

Wenn der Zug schon so schnell fährt, dann muss man ihn auch nutzen. 500 km in fünf Stunden – das bedeutet Lichtgeschwindigkeit für die ukrainische Eisenbahn und getreu dieser Tatsache fuhr ich im November und Dezember ein zweites und ein drittes Mal auf die Krim. Simferopol war beide Male das Ziel dieser Reise.
Natürlich war nicht das Bahnfahren selber der Grund der Reise, sondern die Prüfungen zum deutschen Sprachdiplom. An der „Schule 24“ in Simferopol, ebenso wie die Schule in Saporoschje mit vertieftem Deutschunterricht, fanden im Dezember die zentralen Prüfungen statt. Mit dieser Prüfung können die Schüler in der elften Klasse (und damit der letzten in ukrainischen Schulen) das „Deutsche Sprachdiplom“ erwerben, was sie dazu berechtigt, an deutschen Universitäten zu studieren. Für diese Prüfung gab es dann auch noch eine Vorkonferenz im November – die beiden Gründe für die Reise also. Dafür gab es für mich dann in Saporoschje schulfrei und eine Möglichkeit, die Hauptstadt der Krim zu besuchen.
Lohnt sich das Ganze? Temperaturtechnisch ja, ansonsten eher minder. Da die Krim auf einer Breite mit Genua liegt, sind die Temperaturen hier ganzjährig höher als in der restlichen Ukraine. Während Deutschland Anfang Dezember schon im Schneechaos versank, luden die fast 20 Grad in Simferopol zum Flanieren ohne Jacke ein. Leider liegt Simferopol mitten auf der Halbinsel Krim, das Schwarze Meer ist also weit weg. Rein theoretisch lassen sich aber alle anderen bekannten Städte auf der Krim gut von hier aus erreichen – verkehrsgünstige Lage also. Deshalb ist Simferopol nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die Marschrutka-Hauptstadt der Krim, wenn nicht sogar der ganzen Ukraine. In der Innenstadt drängen sich dicht an dicht die gelben Kleinbusse, die nicht nur die innerstädtischen Linien bedienen, sondern auch nach Jalta, Jewpatoria, Sewastopol, Kertsch usw. fahren.
Außerdem gibt es in Simferopol noch zwei Dinge, die einen Titel tragen, den sie eigentlich nicht tragen dürften. Denn Simferopol verfügt zum einen über eine Fußgängerzone in der Innenstadt. Eine Fußgängerzone, die keine ist. Denn sie ist für Autos freigegeben und hier herrscht das Recht des Stärkeren. Wer nicht schnell genug zur Seite springt, dem wird gezeigt, wer mehr Pferdestärken hat. Zum anderen gibt es den Fluss Salgir. Ein Fluss, der keiner ist. Der Salgir dümpelt und mufft vor sich hin, hat zwar eine schöne Promenade auf der einen Seite, die wird aber von Müll gesäumt. Wo sollte das Wasser auch herkommen? Simferopol liegt schließlich mitten in der Steppe und wird deshalb von den Einwohnern auch „Simferopil“ genannt – „pil“ ist russisch und bedeutet „Staub“.

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