Oder: Wie komm ich ins Haus?
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| Lenin und die Flagge der kommunistischen Partei der Ukraine im Zentrum Kiews. |
Nach der Weihnachtspause melden „wir“ uns nun wieder zurück von der Ost-Seite des europäischen Kontinents. Nach zwei Wochen in heimatlichen Gefilden wird es nun noch etwas mehr als zwei Monate Berichte, Anekdoten und Lebensweisheiten aus der Ukraine geben. Und da es hier genauso weitergeht, wie es aufgehört hat, folgt nun mein Rückreisebericht.
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| "Ja!" auf österreichisch-ukrainisch. |
Von Düsseldorf nach Kiew kutschierte mich die Lufthansa. Gegen Mittag in Kiew gelandet, musste noch die Restzeit bis zur Zugabfahrt am Abend überbrückt werden. Zeit also, um die in Neuss vergessene Mütze zu ersetzen und sich ein wenig umzuschauen bei knackigen zehn Grad unter Null. Nach zwei Wochen „Ukraine-Pause“ fällt direkt auf, dass Straßen- und U-Bahnen deutlich voller sind als in Deutschland. Und dass es hier nicht verpönt ist, auf offener Straße durch den Mund oder durch die Nase zu rotzen. Zwar machen das eigentlich nur Männer, aber auch Frauen wurden schon bei dieser Tätigkeit beobachtet. Ich möchte nicht wissen, wie oft diese Körper-Extrakte schon zu nah an mir vorbeigegangen sind.
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| Der Zug nach Saporoschje, fast 20 Waggons. Ukrainische Züge bestechen vor allem durch Länge, nicht durch Technik. |
Abends ging dann mein Zug nach Saporoschje. Am nächsten Morgen ging es dann vom Bahnhof bis zu mir mit der Straßenbahn weiter, da die Marschrutka für einen großen Koffer und einen großen Rucksack zu klein ist. Ich erwischte dann sogar die modernste Straßenbahn der ganzen Stadt – ausgerüstet mit elektronischen Haltestellenanzeigen. Da man sonst in der Straßenbahn nie versteht, was von der Fahrerin oder dem Fahrer durchgesagt wird (ein vermutlich globales Phänomen), ergab sich erst jetzt die Absurdität der Haltestellen-Benennung. Beispielsweise werden in Brüssel bei den Haltestellenbenennungen die Bezeichnungen „Platz“, „Straße“ usw. weggelassen. Man kann dort also bei „Schuman“, „Luxembourg“ oder „Churchill“ aussteigen. Es bleibt offen, nach wem die Haltestelle „Meiser“ in Brüssel benannt ist. In der Ukraine wird dieses System ebenso gehandhabt, das LED-Laufband in der Straßenbahn bot mir also an, bei den „Helden von Stalingrad“ oder bei „Puschkin“ auszusteigen. Ich verließ dann aber erst „in“ der „Ukraine“ die Tram, denn diese Haltestelle ist nach dem Kaufhaus „Ukraine“ benannt, das bei mir um die Ecke steht.
Bis dahin verlief also alles nach Plan.
Leider versagte meine Glückssträhne genau zwölf Höhenmeter vor meiner Wohnungstür. In den vergangenen zwei Wochen hatte man die Haustür mit einem sogenannten Domofon versehen („dom“ ist russisch für „Haus“). Das Domofon ist in der Ukraine das gängigste Mittel, um Türen von Mehrfamilienhäusern zu verschließen. An der Tür befindet sich eine Zahlentastatur, über die man die Wohnungsnummer anwählen kann und dort klingelt. Es ist mit einer Gegensprechanlage ausgerüstet und wenn man seinen Transponder an das Domofon hält, geht der Türsummer. Da ich aber weder im Besitz eines Transponders noch eines geeigneten Türcodes gewesen bin, stand ich am frühen Samstagmorgen vor der Haustür. Trotz meiner wenige grandiosen Russischkenntnisse erbarmte sich dann irgendwann ein Nachbar, mir über die Gegensprechanlage die Tür zu öffnen. Ein Transponder ist dann auch erst in einigen Tagen in Sichtweite, denn am Wochenende erhält man so was nicht, erst recht nicht, wenn am Freitag vor dem Wochenende Weihnachten gewesen ist. Ich bin nämlich pünktlich zum orthodoxen Weihnachtsfest wieder zurück gewesen. Irgendwer hat hier also ein Domofon verschenkt, mir aber keinen Transponder – na denn, frohes Fest!
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| Milka-Weihnachtsbaum in Kiew. Vielleicht einer der hässlichsten Weihnachtsbäume, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe. |
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